Glossar

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Agency

[engl.: Agency; franz.: Agentivité]. Der Begriff Agency beschreibt Handlungsmöglichkeiten von Individuen in der Gesellschaft und die individuellen und sozialen Bedingungen. Aus dieser Perspektive kann der Jugendliche als kompetenter „Akteur“ in Bezug auf die Einschätzung und sein Handeln im Bereich Wohlbefinden und Gesundheit begriffen werden (Mick, 2012). Die Handlungsmöglichkeiten und die Handlungsmächtigkeit von Jugendlichen werden als essentiell für die Herstellung oder Aufrechterhaltung von Wohlbefinden und Gesundheit betrachtet (Rademaker, 2018).

Bewältigung(sstrategien); Coping; Regulationsfähigkeiten

[engl.: Coping (Strategies), Regulatory Skills; franz.: Ajustement (stratégies d’) (coping), compétences de régulation]. Als Bewältigungs- oder Coping-Strategien werden menschliche Anstrengungen bezeichnet, den Anforderungen, Belastungen oder Herausforderungen in ihrem Leben zu begegnen, insbesondere im Umgang mit kritischen Lebensereignissen, chronischen Stressoren (Dauerbelastungen) oder Alltagsärgernissen (Lazarus, 1966; Lazarus & Folkman, 1984; Bandura, 1991). Sie ermöglichen damit in der Gesundheitsforschung „ein verbessertes Verständnis von gesundheitlichen Ungleichheiten, und bietet eine theoretische Grundlage für die moderne Gesundheitsförderung.“ (Abel & Benkert, 2020, S. 28).

Capabilities

[engl.: Capabilities; franz.: Capabilités]. Im deutschen Sprachgebrauch wird der Begriff „Capability“ häufig mit Handlungs- oder Verwirklichungschancen übersetzt. Im Mittelpunkt des Ansatzes steht die individuelle Entscheidungsfreiheit eines Individuums vor dem Hintergrund zur Verfügung stehender Mittel und Ressourcen. Die Ausprägung der Capabilities von Jugendlichen in Bezug auf ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit kann durch externe Faktoren, wie etwa durch gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen sowie den individuellen Ressourcen beeinflusst werden (Sen, 2000).

Gesundheit

[engl.: Health; franz.: Santé]. Gesundheit wird als „Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen“ verstanden (WHO, 1986, 2013). Hurrelmann (2003, S.8) definiert Gesundheit als „Zustand des objektiven und subjektiven Befindens einer Person, der gegeben ist, wenn diese Person sich in den physischen, psychischen und sozialen Bereichen ihrer Entwicklung in Einklang mit den Möglichkeiten und Zielvorstellungen und den jeweils gegebenen äußeren Lebensbedingungen befindet“. Ein guter Gesundheitszustand und auch ein positives Gesundheitsempfinden stellen eine wichtige Ressource zur Bewältigung der Entwicklungsaufgaben im Jugendalter und damit auch für den Prozess der Individuation und gesellschaftlichen Integration dar (Poethko-Müller et al., 2018).

Gesundheitsbezogene Ressourcen

[engl.: Health(-Related) Ressources; franz.: Ressources de santé]. Gesundheitsbezogene Ressourcen (oder: Gesundheitsressourcen) gelten als Gegenkraft zu Krankheitsrisiken. Sie helfen Menschen in verschiedenen Situationen, diese erfolgreich zu bewältigen, und haben damit einen positiven Einfluss auf ihre Gesundheit. Die Förderung von gesundheitsbezogenen Ressourcen gilt in ganz besonderem Maße auch für Jugendliche. Verunsicherungen in der Identitätsentwicklung von Jugendlichen betreffen oft auch zentrale personale Ressourcen, wie z.B. ein stabiles Selbstwertgefühl, aber auch das soziale Unterstützungssystem (Familie und Peers) das in der Adoleszenzphase einen grundlegenden Wandel erfährt sowie strukturelle Faktoren, wie Schule und Arbeitsplatz (Faltermaier et al., 2017; Walter et al., 2011).

Gesundheitsbezogenes Risikoverhalten

[engl.: Health related risk behaviour; franz.: Comportement de santé (à risque)]. Unter dem Begriff „gesundheitsbezogenes Risikoverhalten“ werden riskante Verhaltenspraktiken verstanden, die zu Gesundheitsschäden führen können und sich negativ auf die Entwicklung Jugendlicher auswirken können. „Jugendliche [setzen sich] insgesamt häufiger als Mitglieder anderer Altersgruppen unterschiedlichsten Risiken [aus], in Form von „Ausprobieren“, „Testen“ und „Grenzen überschreiten“. Riskante Verhaltenspraktiken sind […] ein wesentliches […] Bestimmungselement der jugendlichen Entwicklungsphase.“ (Raithel, 2011, S. 9).

Gesundheitsförderung; Prävention

[engl.: Health Promotion / Prevention; franz.: Promotion / prévention dans le domaine de la santé]. Laut Ottawa-Charta der WHO ist Gesundheitsförderung auf die Verwirklichung von Chancengleichheit auf dem Gebiet der Gesundheit ausgerichtet. Gesundheitsförderndes Handeln hat demnach zum Ziel, bestehende soziale Unterschiede des Gesundheitszustandes zu verringern. Dies soll durch die Schaffung von Möglichkeiten und Voraussetzungen geschehen, die alle Menschen befähigen, ihr größtmögliches Gesundheitspotential zu verwirklichen (WHO, 1986). Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen ist von besonders weitreichender Bedeutung, weil sich im Kindes- und Jugendalter wesentliche gesundheitsrelevante Verhaltensweisen herausbilden, die für die gesamte Lebensspanne bestimmend sind. Viele Gesundheitsstörungen in jungen Lebensjahren werden zu Risikofaktoren im späteren Leben (Egger & Razum, 2012).

Lebenszufriedenheit

[engl.: Life Satisfaction; franz.: Satisfaction par rapport à la vie]. In der sozialwissenschaftlichen Forschung wird Lebenszufriedenheit häufig zur Messung von Wohlbefinden oder (dauerhaftem) Glück verwendet und bezeichnet eine kognitive Bewertung der Zufriedenheit mit dem eigenen Leben. Es handelt sich um eine Selbsteinschätzung, die sich auf einen längeren Zeitraum bezieht. Während der Adoleszenz ist die Lebenszufriedenheit stark beeinflusst von Lebensereignissen und Beziehungen nicht nur zur Familie, sondern auch zu Gleichaltrigen. Auch psychosoziale Faktoren wie Selbstwahrnehmung und Selbstwertgefühl beeinflussen die Lebenszufriedenheit. Ein erhöhtes Stressempfinden in der Schule hat negative Auswirkungen auf die Lebenszufriedenheit, während Schulerfolg mit erhöhter Lebenszufriedenheit einhergeht. Es gibt Hinweise darauf, dass eine hohe Lebenszufriedenheit moderierend auf die negativen Effekte von Stress und auf die Entwicklung von psycho-pathologischem Verhalten wirkt (Inchley et al., 2016).

Öffentliche Gesundheit; Public Health

 [engl.: Public Health; franz.: Santé publique]. Der auch im deutschen Sprachraum verwendete Begriff „Public Health“ wird definiert als „die Theorie und Praxis der Prävention von Krankheiten, der Verlängerung des Lebens und der Förderung der Gesundheit durch organisierte Anstrengungen der Gesellschaft.“ (WHO, 2012, S. 2). Zu den Kernthemen von Public Health gehört u. a. die gesundheitliche Ungleichheit zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Bei vielen Public Health-Fragen spielen auch ethische Aspekte eine Rolle (WHO, 2012). Public Health bezeichnet weiter ein anwendungsorientiertes, interdisziplinäres Fachgebiet, das so unterschiedliche Fachdisziplinen wie Demografie, (Sozial-)Epidemiologie, Sozialmedizin, Gesundheitsförderung und Prävention, Versorgungsforschung, Gesundheitsberichterstattung, Gesundheitsökonomie und Gesundheitspolitik, Managementwissenschaft und Medizinsoziologie umfasst (Egger, Razum & Rieder, 2018).

Resilienz

[engl.: Resilience; franz.: Résilience]. Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, trotz widriger Umstände (z.B. traumatische Erfahrungen wie Krieg, Armut, Deprivation) Krisen zu bewältigen. Resilienz wird oft auch als „psychische Widerstandsfähigkeit“ bezeichnet. Der Resilienz-Begriff wird sowohl individualpsychologisch auf einzelne Menschen als auch soziologisch auf Gruppen (Sozietäten) angewendet. Bei Jugendlichen ist eine hohe Resilienz vor allem bei der Bewältigung eigener Herausforderungen von hoher Bedeutung (Fooken & Zinnecker, 2009). Als Gegenbegriff (Antonym) wird häufig der Begriff „Vulnerabilität“ (Verletzlichkeit) verwendet (Rönnau-Böse & Fröhlich-Gildhoff, 2015; Steinebach & Gharabaghi, 2013).

Salutogenese

[engl.: Salutogenesis; franz.: Salutogenèse]. Konzept des Medizinsoziologen Aaron Antonovsky, das sich als Gegenmodell zur Pathogenese versteht, d.h. einer ausschließlich oder vorrangig krankheitsorientierten Betrachtung von Gesundheit. Die Salutogenese fragt danach, wie Menschen trotz Belastungen und Stress gesund bleiben bzw. welche Mittel (Ressourcen) einer Person dafür zur Verfügung stehen bzw. sich aktivieren lassen. Die Salutogenese ist eng mit dem Begriff der Prävention verknüpft. Salutogenese wie Prävention streben nicht nur die Veränderung krankheitsverursachender und -aufrechterhaltender Bedingungen an, sondern auch eine Unterstützung vorhandener gesundheitsbegünstigender Ressourcen (Antonovsky, 1997).

Vulnerabilität

[engl.: Vulnerability; franz.: Vulnérabilité]. Vulnerabilität (von lat. vulnerabilis = verletzlich, verletzbar) bezeichnet eine durch genetische, organisch-biologische, psychische und soziale Faktoren bedingte individuelle Disposition, auf Belastung überdurchschnittlich stark zu reagieren und gesundheitliche oder psychische Störungen zu entwickeln. In der Medizin bezeichnet Vulnerabilität die Anfälligkeit, an etwas zu erkranken. In der Psychologie wird Vulnerabilität als Antonym für Resilienz verwendet (Quenzel, 2015). Zu den Lebensphasen erhöhter gesundheitlicher Vulnerabilität gehört im Jugendalter die Pubertät. Die erhöhte Vulnerabilität im Jugendalter steht u. a. in Zusammenhang mit hoher Ungewissheit bezüglich der weiteren Lebensgestaltung und der Einmündung (Transition, Statuspassage) ins Erwachsenenalter (Hölling et al., 2012).

Wohlbefinden

[engl.: Well-Being; franz.: Bien-être]. Der Begriff des Wohlbefindens wird in den Sozialwissenschaften einerseits als Indikator für förderliche gesellschaftliche Strukturen (Wohlstand, soziale Sicherheit) verwandt (objektives Wohlbefinden), andererseits als Indikator für die gefühlte Lebensqualität, Lebenszufriedenheit und Glücksempfinden (subjektives Wohlbefinden). Subjektives Wohlbefinden umfasst neben eher kognitiven Dimensionen wie der generellen Lebenszufriedenheit von Personen auch eine affektive Dimension, die positive wie negative Emotionen beinhaltet (Diener, Lucas & Oishi; 2005). Das Konzept des umfassenden (körperlichen, sozialen und psychischen) Wohlbefindens ist zentral für die WHO-Definition von Gesundheit (WHO, 2014).